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18. September, 2017

„Jawohl, Herr Lehrer“ – über modernen Unterricht

Am Mittwochmorgen stand Schreiben als erstes auf dem Stundenplan – und doch war es keine normale Deutschstunde für die Klasse 4, denn wir wagten einen Schulversuch und erlebten gemeinsam Unterricht wie vor hundert Jahren.
Wir schreiben den 14. September 1917. Martin Luther und der Kaiser schauen streng auf die Kinder herab. Aber noch furchterregender ist wohl der strenge Schulmeister, der zu Beginn der Stunde zuerst die sauberen Hände und das Taschentuch der Kinder kontrolliert. Alle sitzen gerade und dürfen nur nach Aufforderung des Schulmeisters sprechen, natürlich immer nach Aufstehen sowie mit der Phrase „Herr Lehrer …“ bei jeder Wortmeldung. Niemand traut zu zappeln, zu reden oder gar zu lachen – die Strafecke ist nicht verlockend und der Rohrstock liegt auch stets bereit! Nach dem Morgengebet wird über die „moderne“ Technik berichtet (Stinkende und laut tuckernde Wagen, die ohne Pferde, von ganz allein fahren sollen!). Und dann beginnt das Schönschreiben: Alle Schüler und Schülerinnen nehmen ihre Federn sowie die Tintenfässchen zur Hand und üben die alte Sütterlin-Schrift. Und tatsächlich: Neben vielen Tintenklecksen kamen der eigene Name und erste Sätze sauber und richtig aufs Papier.
Schließlich sind alle froh, als die Stunde zu Ende geht und sie wieder ins Jahr 2017 zurückreisen können. Denn die lehrreiche Erfahrung dieser Unterrichtsstunde lässt sowohl Schüler als auch Lehrer die moderne Pädagogik unserer Schule noch mehr wertschätzen.